Wenn Wandmalerei auf komplexe Architektur trifft, ist Präzision genauso wichtig wie Kreativität.
Für den koreanischen Maler Kim Tae-gang wurde ein kürzlich abgeschlossener Großauftrag – der sich über alle vier Seiten eines staatlichen Ökozentrums erstreckte – zum idealen Testfeld für einen VR-gestützten Workflow mit Sketchar auf Meta Quest.
Angesichts der gekrümmten Oberflächen, der geschichteten Fassaden und der Abweichungen zwischen Bauplänen und fertigem Bauwerk nutzte Kim VR nicht als Abkürzung, sondern um Kontrolle, Konsistenz und Qualität auch in diesem Umfang zu gewährleisten. In diesem Interview schildert er, wie Sketchar in seinen Vorbereitungsprozess passte, welche Herausforderungen er vor Ort bewältigen musste und warum er VR als Teil eines umfassenderen Qualitätssystems für Wandmalerei sieht – und nicht als Ersatz für handwerkliches Können.

1. Herzlichen Glückwunsch zu diesem beeindruckenden Wandgemälde! Die Architektur des Gebäudes ist komplex und vielschichtig. Können Sie uns mehr über die Projektvorbereitung erzählen und ob Sie Sketchar in VR verwendet haben, um Ihre Skizzen vor dem Malen zu visualisieren und zu positionieren?
Schon als ich die Anfrage erhielt, hatte ich Sketchar im Sinn.
Ich hatte Sketchar einige Monate zuvor über YouTube Shorts und Instagram entdeckt und es sofort als praktisches Werkzeug zur Verbesserung der Präzision und Prozesskontrolle vor Ort erkannt.
Ursprünglich wollte ich es an einer Wand in meinem neu verlegten Lager testen. Doch dieser symbolträchtige Auftrag kam genau zum richtigen Zeitpunkt, daher entschied ich mich, den VR-Workflow direkt für dieses Projekt anzuwenden.
Das Gebäude ist ein staatlich betriebenes Ökozentrum – großflächig, architektonisch komplex und von hoher Symbolkraft. Vor dem Anstrich entfernten wir die bestehende Außenfassade, bauten die Oberfläche mit einem Wärmedämmverbundsystem (WDVS) neu auf und setzten erst dann die Skizze und das finale Kunstwerk um.
Bei diesem Projekt stand die Oberflächenqualität an erster Stelle – noch vor dem Kunstwerk.


Da dies mein erster VR-basierter Workflow war, übte ich intensiv im Studio und bereitete verschiedene Szenarien für die Gegebenheiten vor Ort vor. Während der Tests stellten wir Abweichungen zwischen den Bauplänen und der tatsächlichen Struktur fest. Abschnitte mit nicht übereinstimmenden Proportionen wurden mithilfe von vor Ort überprüften Messungen neu ausgerichtet.
Das System erfordert zwar etwas Einarbeitung, aber ich erwarte, dass sich Geschwindigkeit und Genauigkeit mit der Weiterentwicklung der Plattform deutlich verbessern werden.
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2. Wie lange dauerte die Fertigstellung des Wandgemäldes an allen vier Seiten des Gebäudes, und wie hat die Verwendung eines VR-Headsets den Prozess im Vergleich zu herkömmlichen Methoden beschleunigt?
Insgesamt dauerte das Projekt etwa sieben Tage – von der Skizze bis zum finalen Farbauftrag.

Die Baupläne und das reale Gebäude wichen in Maßen und Proportionen voneinander ab, und einige Gebäudeteile waren gekrümmt. Daher war eine perfekt identische VR-Überlagerung unrealistisch.
Stattdessen habe ich das Gebäude manuell vermessen, Verhältnisse berechnet, wichtige Bezugspunkte markiert und von diesen Ankerpunkten aus nach außen gearbeitet. Dieser Ansatz trug zu einer gleichbleibenden Qualität bei und verhinderte kumulative Fehler.
Dennoch spielte Sketchar eine wichtige Rolle. Es half, Maßstab und Proportionen beim Skizzieren beizubehalten, den Korrekturbedarf zu reduzieren und die Gesamteffizienz zu steigern.



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**3. Technologie ist nie perfekt. Welche Herausforderungen ergaben sich bei der Arbeit mit einem VR-Headset an einem so großen und komplexen Bauwerk, und wie haben Sie sich vor Ort angepasst?
Selbst mit fortschrittlichen Werkzeugen erfordert die Fassadengestaltung im großen Maßstab weiterhin menschliches Urteilsvermögen – insbesondere, wenn gleichzeitig Struktur, Maßstab, Bewegung und Sicherheit berücksichtigt werden müssen.
Die größte Herausforderung bestand in den unterschiedlichen Proportionen zwischen dem ursprünglichen Entwurf und der realen Oberfläche. Da die Wandfläche so groß war, konnte sich die Projektion verschieben, wenn ich mich bewegte. Dadurch wirkten manche Linien in der Gesamtansicht weniger konsistent als bei einem projektorbasierten Workflow.


Meine Lösung bestand darin, gerade architektonische Linien mithilfe von Referenzmarkierungen manuell zu fixieren. VR nutzte ich anschließend hauptsächlich zur Unterstützung von Kurven und illustrativen Elementen.
Für zukünftige Verbesserungen würden eine stärkere Fixierung von Overlays und eine präzisere Tiefensteuerung die Benutzerfreundlichkeit in der Praxis deutlich erhöhen.
4. Wie hat die Nutzung von Technologien wie Sketchar Ihre Herangehensweise an die Wandmalerei insgesamt beeinflusst und wie hat sich Ihr Workflow verändert?
Die größte Veränderung besteht darin, dass VR die Hürde für die Umsetzung von Entwürfen senkt und gleichzeitig dazu beiträgt, die Konsistenz von Qualität und Prozess vor Ort zu gewährleisten.
Projektoren sind stark von den Lichtverhältnissen abhängig, während VR deutlich flexibler ist.
Ich habe kein formales Kunststudium absolviert, aber mit Grundkenntnissen und einem guten Gespür für Ästhetik wird die Wandmalerei deutlich zugänglicher. Entscheidend ist nicht das „Talent“, sondern die Einhaltung von Standards und die richtige Vorgehensweise.
In diesem Sinne ersetzen Sketchar und VR kein handwerkliches Können. Sie werden Teil eines Qualitätssystems, das für stabilere Ergebnisse sorgt und langfristig einen nachhaltigeren Arbeitsablauf ermöglicht.




5. Was würden Sie Wandmalern empfehlen, die neugierig auf Sketchar und VR sind, diese aber noch nicht ausprobiert haben?
Fangen Sie klein an. Wählen Sie eine kleine Wand und eine einfache Farbpalette.
VR kann sich anfangs ungewohnt anfühlen, daher ist es wichtig, vor dem Einsatz vor Ort ausreichend Übungszeit einzuplanen. Dies erhöht sowohl die Sicherheit als auch die Erfolgsquote.
Sobald die Steuerung intuitiv wird, verläuft die Arbeit deutlich stabiler – und das Tool wird zu einem echten Vorteil statt einer Ablenkung.
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Kim Tae-gangs Projekt zeigt, dass VR-gestützte Wandmalerei traditionelle Fertigkeiten nicht ersetzen, sondern sie in Umgebungen unterstützen soll, in denen Präzision, Architektur und Maßstab aufeinandertreffen. Durch die Kombination von manuellem Urteilsvermögen mit digitalen Werkzeugen wie Sketchar können Künstler hohe Standards wahren und gleichzeitig immer komplexere Oberflächen gestalten.
Da Gebäude immer ambitionierter werden und die Erwartungen steigen, könnten Arbeitsabläufe, die Handwerkskunst und Technologie verbinden, bald zur Norm statt zur Ausnahme werden.
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